Exkursion nach Indien im April 2006

10 Tage in Indien im Umbruch: Auf dem Weg zur größten Volkswirtschaft der Welt

Exkursionsgruppe vor dem Taj Mahal

Eine Gruppe von Ökonomen der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Norbert Koubek hat vom 5. bis 14. April 2006 eine Exkursion nach Indien unternommen, das mit seiner wirtschaftlichen Entwicklung zunehmend in den Blickpunkt weltweiten Interesses rückt.

Seit Anfang der 90er Jahre unterhält Prof. Dr. Koubek regelmäßigen Kontakt zu dem indischen Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. G.R. Krishnamurthy von der Mangalore University. Das stetige Wachstum des letzten Jahrzehnts dürfte sich fortsetzen, unterstützt durch eine günstige demographische Entwicklung, steigende Investitionen in Bildung und Infrastruktur und eine stärkere Integration in die Weltwirtschaft. Somit gewinnt der indische Markt für europäische, insbesondere für deutsche Unternehmen an Bedeutung. 20 Wuppertaler nahmen an der Studienfahrt teil – Studierende, Mitarbeiter, Lehrbeauftragte und Doktoranden.

Das zehntägige Reiseprogramm spiegelte in einer Mischung von kulturellem, historischem und wirtschaftlichem Programm einen vielfältigen Eindruck des ökonomischen und gesellschaftlichen Globalisierungsprozesses. Die Exkursion startete in Neu Delhi, doch statt märchenhafter Paläste, mutiger Inder auf Nagelbrettern und Schlangenbeschwörern wurden die Wuppertaler Studenten von völlig verstopften Straßen, Lärm und Müll der zwölf Millionen Stadt überwältigt. Allerdings fehlten im Verkehrschaos nicht die heiligen Kühe.

 

Forschungspartner

Am zweiten Tag ging es auf zum Teil mittelalterlichen Wegen zum Management Development Institute (MDI) der Universität in Gurgaon. Die Partneruniversität der Bergischen Universität gleicht einem Idyll. Inmitten von Bäumen und Parkanlagen werden dort hoch spezialisierte Fachkräfte ausgebildet. Neben dem Fokus auf die englische Sprache muss ein Teil des Studiums im Ausland absolviert werden. Noch in diesem Jahr werden fünf Studenten aus Gurgaon in Wuppertal erwartet. Diese Ausbildung ist ein Privileg und kommt nur besser gestellten Indern zuteil. Die Wuppertaler Gruppe gewann rasch den Eindruck, dass trotz des offiziell nicht mehr bestehenden Kastensystems weiterhin eine strikte Trennung zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen den Alltag bestimmt.

Nächste Etappen waren Jaipur und Agra mit wirtschaftlichen und kulturellen Eindrücken. Höhepunkt jeder Indienreise: Das Taj Mahal. Ein weiterer Reiseabschnitt war Bangalore, eine vom bereits westlichen Lebensstil geprägte Metropole, die in der IT-Branche als "Silicon Valley" Indiens gilt. Tatsächlich findet man in den Geschäftsvierteln und Gewerbeparks Niederlassungen beinahe jeden großen Hightech-Unternehmens der Welt. Hochqualifizierte Spezialisten mit guten Fach- und Englischkenntnissen arbeiten dort für ein Jahresanfangsgehalt von 5.000 Dollar, was diesen Standort für Softwareentwicklung und IT-Supportcenter besonders attraktiv macht.

Strategien deutscher Unternehmen in Indien

Letztes Ziel war Bombay, eine 16 bis 18 Mio. Einwohner umfassende Metropole, eine Stadt der großen Gegensätze. Neben unzähligen Wolkenkratzern sieht man viele Elendsviertel: Eine nicht mehr aufzuhaltende Modernisierung neben riesiger Armut. Die siebtgrößte Stadt der Welt platzt aus allen Nähten, auf den Gehwegen drängen sich die Geschäftsleute zur Arbeit, und auf den Straßen kämpfen unzählige Fortbewegungsmittel vom Fahrrad bis zur Luxuslimousine um jeden Zentimeter Asphalt. Die Wuppertaler  Gruppe besuchte u.a. die indische Tochtergesellschaft der Bayer AG. 

Die Bilanz am Ende der Reise: Indien wird neben China eine der größten Volkswirtschaften der Zukunft sein. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Erfahrungen werden mit Blick auf deutsche Unternehmen in Indien in einem von Prof. Dr. Koubek und seinem indischen Kollegen Prof. Krishnamurthy herausgegebenen Fachbuch deutscher und indischer Experten dargestellt, das im Herbst 2006 unter dem Titel "Strategien deutscher Unternehmen in Indien" zur Frankfurter Buchmesse erschienen ist.

Stilisierte Ansicht von Joseph Schumpeter
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