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Stilisierte Ansicht von Joseph Schumpeter

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Stationen eines rastlosen Wissenschaftlers

Geboren am 08. Februar 1883 in Triesch, heutiges Tschechien, damals Österreich-Ungarn, in begüterten Verhältnissen aufgewachsen, schloss er sein 1901 an der Universität Wien aufgenommenes Studium der Rechtswissenschaften mit der Promotion im Jahre 1906 ab. Bereits während des Studiums zeigte Schumpeter großes Interesse an wirtschaftstheoretischen Fragestellungen und besuchte unter anderem Veranstaltungen bei Eugen Böhm Ritter von Bawerk, Eugen Philippovich Freiherr von Philippsberg und Friedrich Freiherr von Wieser. Nach dem Studium unternahm er Reisen in verschiedene Länder und widmete sich insbesondere in England der intensiven Aufbereitung wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur. 1907-1908 arbeitete er in einer italienischen Anwaltskanzlei in Kairo und verfasste seine erste Monografie, „Wesen und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“, in dem er eine eigenständige und souverän gefasste Aufarbeitung der wesentlichen Inhalte der bis dahin vorherrschenden ökonomischen Theorien lieferte. Das Manuskript sandte er im März 1908 nach Deutschland und reichte es im Oktober des Jahres als Habilitationsschrift an der Fakultät für Rechtswissenschaften und Politik der Universität Wien ein. Die Ernennung zum Privatdozenten in Politischer Ökonomie erfolgte im März 1909. Die Gutachter im Habilitationsverfahren waren Friedrich von Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk.

Im Herbst 1909 wurde er als außerordentlicher Professor an die Universität von Czernowitz, in der heutigen Ukraine gelegen, berufen. Während der zwei Jahre, die er dort verbrachte, verfasste er einen Hauptteil seines wohl bedeutendsten ökonomischen Werkes, der „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“, das 1911 erschien. Im Oktober des Jahres erfolgte der Ruf zum Ordinarius für Politische Ökonomie an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, und zwar als jüngster ordentlicher Professor der Monarchie. Diese Professur hatte er mit Unterbrechungen bis 1921 inne. Im Studienjahr 1913/1914 nahm er eine Gastprofessur an der Columbia University in New York City wahr. Er traf auf berühmte Ökonomen wie Frank William Taussig, Irving Fisher und Wesley Clair Mitchell und wurde dort – im Alter von dreißig Jahren – mit einem Ehrendoktorat ausgezeichnet. 1914 erschien Schumpeters drittes Buch, die „Epochen der Dogmen- und Methodengeschichte“, eine von Max Weber für ein ökonomisches Handbuch, den „Grundriss der Sozialökonomik“, in Auftrag gegebene Arbeit, die Schumpeter viel später als Ausgangspunkt für weitere Veröffentlichungen nutzte.

Während der Jahre 1916 bis 1919 unternahm Schumpeter mehrfache Versuche der politischen Betätigung, nichts Ungewöhnliches für einen bekannten Ökonomen. Seine Lehrer und Vorbilder, wie Carl von Menger, Eugen von Philippovich und Friedrich von Wieser, waren ökonomische Berater am kaiserlichen Hof und Eugen von Böhm-Bawerk gar dreimal Finanzminister. So stellte sich Schumpeter in verschiedenen Memoranden dem Zollbündnis zwischen Österreich und Deutschland entgegen und trat für den Aufbau einer handlungsfähigen konservativen Partei ein. Im Januar 1919 wurde er Mitglied der deutschen Sozialisierungskommission, in der er als vehementer Befürworter einer sofortigen und allumfassenden Sozialisierung auffiel, und schließlich, im März, Finanzminister. Das Amt füllte Schumpeter lediglich sieben Monate glücklos aus, er kehrte bis 1921 auf seine Professur an der Universität Graz zurück. Mit der Übernahme des Amtes des Präsidenten der Biedermeier Bank gab Schumpeter im selben Jahr seine Professur auf. Die Vorstandstätigkeit endete 1925 mit der Insolvenz der Bank, Schumpeter verlor sein gesamtes Vermögen. Auf Wirken von Arthur Spiethoff erhielt Schumpeter 1925 einen Ruf für Finanzwissenschaft an die Universität Bonn. Vor allem seine äußerst erfolgreich durchgeführte Lehrtätigkeit trug wesentlich zur Stärkung des Fakultätsrenommees bei. Als zentrale Veröffentlichung dieser Zeit gilt sein Aufsatz „Gustav von Schmoller und die Probleme von heute“, aus dem Jahre 1926.

1927-1930 unternahm Schumpeter mehrere Reisen als Gastprofessur an die Harvard University, wo er auch maßgeblich an der Gründung der Econometric Society mitwirkte. Rufe der Universitäten Kiel, Freiburg und Prag Ende der zwanziger Jahre lehnte er ab und strebte stattdessen eine Professur an der damals renommiertesten deutschen Hochschule, der Universität Berlin, an. Hier bewarb er sich mehrmals vergeblich, unter anderem als Nachfolger Werner Sombarts auf den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie. Schließlich signalisierte er der Harvard University, dass er einem Ruf nicht ablehnend gegenüberstehen würde. Dieser erfolgte im Jahre 1932, in dem Schumpeter Deutschland für immer verließ.

In Cambridge wohnte er die ersten fünf Jahre bei Frank William Taussig, dem großen alten Mann der ökonomischen Fakultät in Harvard, nur wenige Minuten vom Campus der Universität entfernt. Mit der Emeritierung Taussigs im Jahre 1935 wurde Schumpeter die Aufgabe übertragen, das Graduiertenkolleg in Wirtschaftstheorie zu übernehmen. Er trug in hohem Maße zur Umgestaltung der in die Jahre gekommenen wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bei. So setzte sich Schumpeter mit aller Kraft für die Einführung mathematischer Methoden in Harvard ein und engagierte sich stark in der Econometric Society, in der er 1938 und 1939 das Amt des Vizepräsidenten bekleidete und 1940 als Präsident vorstand. 1939 veröffentlichte er das zweibändige Werk „Business Cycles“ und 1942 das vielfach beachtete Buch „Capitalism, Socialism, and Democracy“, in dem er eine detaillierte Analyse der Funktionsweise sozialistischer Ökonomien vorlegte und die Vorstellung einer weit gefassten ökonomischen Theorie entfaltete. Dieses Werk stellt einen eigenständigen Beitrag zur politischen Wissenschaft und Soziologie dar. Zwischen den beiden Werken befasste er sich intensiv mit der Frage der „Rationalität in den Sozialwissenschaften“, zu der er, angeregt durch einen Vortrag von Chester Barnard, eine eigene Diskussionsgruppe einberief, der Mitglieder wie die Soziologen Talcott Parsons, Wilbert E. Moore, der Psychologe David McGrannahan sowie die Ökonomen Gottfried Haberler, Wassily Leontief und Paul Sweezy angehörten. Das Arbeitspensum Schumpeters war immens. Die Fülle an Publikationen bewältigte er letztlich allein, da er von der Fakultät nur mit geringen finanziellen Mitteln ausgestattet war, und dies bei einem weitaus höheren Lehrangebot als das seiner Kollegen.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod arbeitete Schumpeter intensiv am Abschluss seines dritten großen Werkes aus seiner amerikanischen Zeit, der „History of Economic Analysis“, die vier Jahre nach seinem Tod von seiner Witwe, Elisabeth Schumpeter Boody, herausgegeben wurde. Mit diesem Opus magnum gab Schumpeter eine gesamte Darstellung der Dogmengeschichte der Ökonomie seit den Griechen, eine Zusammenfassung seiner wissenschaftlichen Sichtweise von Ökonomie und somit die Erklärung der Sozialökonomik und ihrer Abgrenzung von anderen Sozialwissenschaften, sowie eine Neuformulierung der Theorie des Unternehmers. 1948 wurde er zum Präsidenten der American Economic Association und im Sommer 1949 zum ersten Präsidenten der neu gegründeten „International Economic Association“ gewählt. Er war auf internationalen Konferenzen ein vielgefragter und hochgeachteter Redner. Schumpeter starb am 8. Januar 1950 in Taconic, Connecticut, USA, an einem Gehirnschlag.

 

© Schumpeter School of Business and Economics 2008